Wildbienen-Projekt der Naturschutzgruppe Ingelheim und Umgebung e.V. (NSGI)

Die Naturschutzgruppe Ingelheim und Umgebung e.V. (NSGI) bereibt seit 2019 ein "Wildbienen-Projekt". Auf dem Vereinsgelände in Ingelheim (Neumühle 5) sind mit Förderung der Stiftung Natur und Umwelt (SNU) u.a. Informationstafeln geplant. Flyer und Webinhalte werden im Verlauf des Projekts verfügbar gemacht. Im Jahr 2020 wurden im Rahmen des Projekts auf dem Gelände der NSGI die Stechimmen (Wildbienen und Wespen) kartiert, um einen Überblick über das Artenspektrum zu erhalten.

Überblick: Stechimmen - Wildbienen - Wespen

Alle Hautflügler mit Wespentaille und Giftstachel werden als „Stechimmen“ (Aculeata) bezeichnet. Zu dieser Gruppe gehören Bienen, Ameisen und einige Wespen, die ebenfalls diese Merkmale aufweisen.

Während alle heimischen Wildbienen pflanzliches Eiweiß (Pollen) als Nahrung für ihre Larven nutzen, ist die Larvennahrung der heimischen Wespenarten aus der Gruppe der Stechimmen ganz überwiegend tierisches Eiweiß: Insekten oder Spinnen. „Zuckerwasser“ in Form von Blütennektar und Blattlausausscheidungen („Honigtau“) wird dagegen von allen erwachsenen Bienen und Wespen, als Energiequelle genutzt

 

Weltweit sind über 20.000 Bienenarten bekannt; nur eine davon ist die Honigbiene Apis mellifera, die als Nutztier gehalten und gezüchtet wird. In weit geringerem Umfang werden auch andere Bienenarten zur Honiggewinnung genutzt. Die absolute Mehrheit aller Bienenarten sind wildlebende Bienen - Wildbienen

 

Was sind Wildbienen?

In Deutschland sind knapp 600 Arten von Wildbienen nachgewiesen, aus Europa sind über 2.200 Arten bekannt.

Wildbienen sind keine "entflogenen" Honigbienen, sondern vollkommen andere Arten. Unsere heimischen Wildbienen-Arten erreichen Körpergrößen von 3 Millimetern bis 3 Zentimetern und sind durch ihre Größe, als auch ihre teils bunte Färbung nicht für jeden als Biene erkennbar.

Abb. 1: Unsere heimischen Wildbienen sind zwischen 3mm und 3cm groß. Aus Rheinland-Pfalz sind rund 440 Arten nachgewiesen.

(Bild: R.Burger - IFAUN)

 

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Wildbienen leben vollständig ohne Zutun des Menschen, produzieren keinen Honig und bilden ganz überwiegend keine Staaten, sondern nisten einzeln (solitär). Ausnahmen davon sind die Hummeln, die kleine, einjährige Staaten bilden und Vorräte für schlechte Tage anlegen, sowie die meisten Schmalbienen-Arten (Lasioglossum), die einjährige und sogar mehrjährige Nester mit Hilfsweibchen im Boden graben. Die heimische Langlebige Schmalbiene (Lasioglossum marginatum) lebt in Nestern, die 6 Jahre Bestand haben. Die Töchter der Nestgründerin arbeiten als "Hilfsweibchen" und bauen das Nest und Sammeln Nahrung für die Nachkommen.

 

Am häufigsten zu finden ist aber eine solitäre Lebensweise: Jedes Wildbienen-Weibchen muss sich selbst um die Nachkommen kümmern. Es legt Brutzellen in vorhandenen Hohlräumen in Holz oder in selbst gegrabenen Gängen im Erdboden, in Abbruchkanten, in ausgenagten Gängen in morschem Holz oder in leeren Schneckenhäusern an – je nach Art unterschiedlich. Die bekannten Nisthilfen („Bienenhotels“) können von Arten besiedelt werden, die normalerweise markhaltige, horizontal gelagerte Stängel von z. B. Holunder oder Brombeere beziehen, oder vorhandene Hohlräume in Holz oder Mauern als Nistplatz nutzen.

Die überwiegende Mehrheit (über 2/3) der heimischen Wildbienen nistet jedoch in selbst gegrabenen Gängen im Boden; sie profitieren also nicht von diesen Nisthilfen.

 

Abb. 2: Auch niedrige Geländekanten können wertvolle Nistplätze für Bodennister sein.

 

  

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 Lebenszyklus

Die Wildbienen-Weibchen tragen in die Brutzellen ein Gemisch aus Pollen und Nektar ein, auf das ein Ei gelegt wird.

Im typischen Fall werden dann die Brutzellen und das Nest verschlossen. Die Larve entwickelt sich bei den solitären Wildbienen ohne weitere Fürsorge zur Biene weiter. Nestbauende Weibchen sterben nach einer Lebenszeit als Biene von 6 bis 8 Wochen, die bis zum Schluß mit Nestbau und Füllen der Brutzellen verbracht wird. Meist erscheinen die Nachkommen erst im nächsten Jahr; neue Generation baut in vielen Fällen dann erneut eigene Nester; bei manchen Arten (z.B. Holzbienen, Keulhornbienen) verpaaren sich diese Tiere erst im folgenden Frühling und es überwintern beide Geschlechter. Jung-Königinnen von Hummeln verpaaren sich noch im Spätsommer und es überwintern nur die Weibchen.

  

Die Anzahl an Brutzellen, die ein Wildbienen-Weibchen bauen und belegen kann ist abhängig von vielen Faktoren. Besondere Bedeutung hat ein ausreichendes Blütenangebot (Nahrung) und geeignete Nistplätz in geringer Entfernung. Beide Teillebensräume liegen oft räumlich getrennt. Je kürzer der Weg zwischen ihnen, desto mehr Zeit kann die Bienen zum Bauen und Füllen der Brutzelle verwenden und umso größer ist die Anzahl an Brutzellen. Distanzen von über 300m werden zwar ohne Probleme überflogen, aber mit zunehmender Entfernung wird der Aufwand für die Flüge unökonomisch hoch. Eine Schlechtwetter-Periode kann zusätzlich zu Unterbrechungen der Nestbauaktivität führen und in einer geringen Anzahl fertig gestellter Brutzellen resultieren. Die Fortpflanzungsrate ist bei den solitären Arten sehr niedrig: Nur 10 bis 30 Brutzellen kann ein solitäres Weibchen in seinem Leben anlegen. Aber nicht alle Bruten entwickeln sich zu Nachkommen: Neben Schmarotzern (Futter-Räuber wie Kuckucksbienen oder direkten Fraßfeinden der Larve), kann auch durch eine ungünstige Beschaffenheit des Nistplatzes zu viel Feuchtigkeit an die Brut gelangen, was z.B. zu Verpilzung und Absterben der Brut führen kann.

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Markhaltige Stängel werden von einigen Arten als Nistplatz genutz: Im Bild eine Blaue Mauerbiene Osmia caerulescens, die den Nesteingang mit grünem Pflanzenmörtel verschließt.